Schützengilde 1377 Korbach
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Vogelschießen

Vogelschießen Aktuell

Noch vor dem eigentlichen Vogelschießen lud die Burschenkompanie in diesem Jahr zum ersten Mal in der Geschichte der Schützengilde ihre Gäste am Freitagabend zu einem Discoabend ein. Hierfür hatten sie einen bei der Jugend wohlbekannten Star aus Mallorca verpflichtet. Nancy Franck trat ab etwa 22.45 Uhr auf und brachte das Zelt innerhalb kurzer Zeit zum Beben. Auch nachdem sie, zwei Zugaben gewährend, die Musik wieder an den DJ übergab, blieb die Stimmung im Zelt noch lange erhalten.

Dieter Grebe-Weinreich heißt der aktuelle Vogelkönig in Korbach. Am Samstag, den 23.08.2025 „erlegte“ er den hölzernen Adler im Schießhagen. Das 55. Vogelschießen war zuvor mit dem Festzug durch die Altstadt eröffnet worden. Dabei waren die Burschenkompanie und sämtliche Formationen der Schützengilde sowie der Schützenkönig und der noch amtierende Vogelkönig Achim Trost. Zwischendrin wurden die neuen Vögel für das Vogelschießen und das Kindervogelschießen abgeholt und vor dem Rathaus festlich geschmückt.

Der 1. Jäger der Burschenkompanie, Louis Zahradnik, kommandierte den Festzug und begrüßte die Formationen und die Gäste. Mit einem dreifachen „Horrido“ ging es dann auf die weitere Strecke.
Am Nachmittag gab es parallel das Schießen für die Kinder und Erwachsenen. Die Kinder mussten mit der Armbrust zunächst die Insignien abschießen und dann den Vogel ins Herz treffen. Erwartungsgemäß fiel er bei ihnen vor dem der Erwachsenen. Allerdings ging es in diesem Jahr sehr schnell bei den Kindern.

Neuer Kinderkönig wurde der vierzehnjährige Sean Sidney Walinski. Bei den Erwachsenen gab der scheidende Vogelkönig traditionell den ersten Schuss ab. Zuerst wurde auf die Insignien geschossen. Die Krone holte bereits beim 1. Schuss der bis dahin noch amtierende Vogelkönig Achim Trost, nicht viel später fiel der Apfel bei Bürgermeister Stefan Kieweg. Währenddessen gestaltete sich der Versuch dem Vogel das Zepter zu entreißen, als langwieriges Unterfangen. Auch in diesem Jahr wurde mit einem Kleinkalibergewehr auf den Vogel geschossen. Nachdem endlich auch das Zepter seinen Weg aufs Stroh fand und Bernd Schulte aus Gildehaus an der Holländischen Grenze zum 3. Ritter machte, konnte auf den Vogel geschossen werden.

Es dauerte ungewöhnlich lange, bis an der malträtierten Stange, auf der der Vogel angebracht war, Schwachstellen zu erkennen waren. Zwar beteuerte Stefan Sude, der das Schießen moderierte, die Stange sähe von hinten schlimmer aus als von vorn, doch recht glauben wollte das niemand. Endlich stand der Vogel nur noch auf zwei dünnen Resten der Stange als Ernst Schäfer jun. um 17.10 Uhr mit seinem letzten Schuss für Aufsehen sorgte. Der Vogel sackte ab und blieb auf dem durchschossenen Stab stehen.

Mit dem 348. Schuss gelang es dann endlich Dieter Grebe-Weinreich als 116. Schützen, sieben Minuten später, den Vogel in das aufgeschichtete Stroh fallen zu lassen. Damit brachte er die Ehre des Vogelkönigs in die Reihen der Männerjäger.

Nach der feierlichen Proklamation der neuen Vogelkönige gab es noch ein weiteres Highlight an diesem Abend. Die Pulwerköppe ließen ihr neu angeschafftes Banner weihen. Bei der Fahnenweihe wurde die Mutterfahne aus dem Jahre 1833 von Chronist Ernst Schäfer Jr. ausfindig gemacht und zur Weihe mit dem neuen Banner zusammengehalten. Rührende Worte wurden von Chronist Schäfer, Holger Tent und den einzelnen Formationen gefunden, bei denen sich Dennis Schmidt von den Pulwerköppen in einer kurzen Ansprache herzlich bedankte.

Später wurde mit dem Duo des „Nachtexpress Partyteam“, Caro und Niklas, bis in die Nacht hinein gefeiert.

Am Sonntag startete der Tag mit dem Feldgottesdienst auf der Freilichtbühne. Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Festzelt begannen sich die Formationen bei Spiel und Spaß vorzustellen. Vom Krawatten binden auf Zeit bei den Frauen, über einen mittelalterlichen Dreikampf bei der Sankt Regina und Böllern mit Sankt Barbara bis zum Armbrustschießen und Axtwerfen der Männer und Pioniere war für jeden Gast etwas dabei.

  
  
  
  
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Das Vogelschießen geschichtlich

Der Brauch des Vogelschießens ist uralt. Ursprünglich geht er auf einen germanischen Mythos zurück. Damals schossen die Vorväter bei einer alljährlichen altgermanischen Frühlingsfeier auf einen an einer Stange befestigten Vogel. Er stellte den unheilvollen Höllenvogel - den Hahn „Windofnir” - dar, der bereits in der Edda-Sage erwähnt wird. Indem man ihn erlegte, so der Glaube, verbannte man das Böse aus der Welt, um den Menschen zum Frühlingsanfang das Lichte, Gute, zu bescheren. Auch in der Zeit des Mittelalters hielt man sich an diesen Brauch, um den verhassten Unheilbringern - Dunkel, Tod und Verderben - den Garaus zu machen. Damals war der Schuss auf den Vogel im gesamten deutschsprachigen Raum weit verbreitet. Meist benutzte man dabei einen farbenprächtigen Hahn als Zielscheibe.

Die Burschenkompanie hat das Vogelschießen im 19. Jahrhundert wieder eingeführt. Die Korbacher Schützengilde sucht seitdem immer wieder einen neuen Vogelkönig. Jeder Korbacher darf in den Wettstreit eintreten. Jedes Mal schicken die Formationen der Gilde, von den Pionieren bis zu den Nachtwächtern, Mann und Maus ins Feld, um als Sieger vom Platz zu gehen. Aber auch die „zivilen“ Korbacher sind eingeladen, sich am Fest und dem Schießen zu beteiligen. Das Gewehr befindet sich auf einem Standfuß, die Schießpulverexperten der St. Barbara überwachen den Ablauf. Für Sicherheit ist also gesorgt. Drei Schuss hat jeder Teilnehmer in einem Durchgang zur Verfügung. Neben dem Schießstand sucht der Nachwuchs den Nachfolger beim Kindervogelkönig. Mit einem Festzug durch die Altstadt wollen die Schützen am Samstag noch einmal die Werbetrommel rühren und den Holzvogel der Öffentlichkeit präsentieren. Hierzu wird sich auf dem Schulhof der Westwallschule oder der Schulstraße aufgestellt und über den Weg „im Sack“ die Lengefelder Straße hinunter zum Rathaus marschiert. Hier wird der Vogel der Jugendkompanie und der Erwachsenen abgeholt und festlich geschmückt. Danach wird der Altstadtkreis Stechbahn, Tränkestraße, Klosterstraße, Prof. Kümmel-Str. bis zur Prof.-Bier-Str. gelaufen und dort in die Fußgängerzone eingebogen. Über den Ascher geht es dann im allgemeinen wieder zum „im Sack“ bis zur Freilichtbühne. Hier wird danach auf den Schießplatz marschiert und nach ein paar einleitenden Worten des Dechanten beginnt das Wettschießen.

Im Jahr 2025 hat die Burschenkompanie in Verbindung mit dem Vogelschießen zum ersten Mal einen Discoabend veranstaltet. So wurde bereits am Freitagabend kräftig gefeiert. Die Burschenkompanie ist fest entschlossen, auch diesen Teil zu einem zukünftigen Bestandteil des Vogelschießens gedeihen zu lassen.

Nach dem Vogelschießen und der Proklamation der neuen Könige oder Königinnen startet am Samstag gegen 19 Uhr die Livemusik im Festzelt am Schießhagen. Am Sonntag geht es um 10 Uhr mit einem Gottesdienst auf der Freilichtbühne weiter. Nach Frühschoppen und Essen stellen sich die Formationen mit Spielen und Attraktionen dem Publikum vor und machen Werbung für sich.

Bis 2015 wurde erst am Sonntag auf den Vogel geschossen. Da jedoch der neue Vogelkönig von diesem Tag nicht mehr viel hatte, da die Gäste sich meist frühzeitig verabschiedeten, entschied der Vorstand zum Vogelschießen 2018 das Schießen auf den Samstag vorzuverlegen. Mit dieser Entscheidung änderte sich auch das Kleid des Vogels. Während zuvor direkt auf einen flachen, zweidimensionalen Vogel geschossen wurde, ist er mittlerweile künstlerisch aufgewertet und dreidimensional gestaltet worden. Nun wird nicht mehr auf den Vogel selbst, sondern auf eine Stange darunter gezielt. Dadurch bleibt der Vogel annähernd unbeschädigt. Auch wird seit dieser Änderung, wie in vielen anderen Schützenvereinen, zuvor auf drei Insignien geschossen. Das Abschießen des Apfels, des Zepters und der Krone erbringt den Schützen den Titel eines Ritters.

Das Vogelschießen
Ein uralter Brauch ist das Schießen auf den hölzernen Vogel, der auf einer hohen Stange befestigt wird. Erst mit dem Gebrauch der Armbrust und der Feuerwaffen kam das Scheibenschießen auf. Zum Vogelschießen gehört außer der Schießfertigkeit auch eine gute Portion Glück. Ein guter Treffer holt den Vogel noch nicht von der Stange. Er muss erst ordentlich „Federn gelassen haben, bis er herunterfällt. Von dem glücklichen Schützen, der das geschafft hat, sagt man „er hat den Vogel abgeschossen“ und diese Redewendung ist ja auch zum „geflügelten Wort“ geworden, In vielen Schützengesellschaften wird auch heute noch der König durch ein Vogelschießen ermittelt.
Auch in Korbach war das einmal so. Der Flurname „Auf der Vogelstange“ beweist, dass früher auf diesem Teil der Hauer das Vogelschießen stattgefunden hat. Nach 1565 wurde das Übungs- und Festgelände in den Schießhagen verlegt, wo für ein Vogelschießen kein Platz mehr war.
Als 1840 die Burschen der Korbacher Schützengesellschaft eine eigene Kompanie gründeten, führten sie auch das Vogelschießen wieder ein und veranstalteten es außerhalb der Stadt erst am Streitholz und dann, später in der Marke. Dort, wo einst auf den „Schülerplätzen“ das Schulfest gefeiert wurde, fand nun das Vogelschießen statt. Geschossen wurde auf der Warolder Straße, und getanzt wurde auf den „Schülerplätzen, die darum später auch „Danzeplätze“ genannt wurden.
Die Burschenkompanie achtete anfangs sehr darauf, dass dieses Fest nur von den Burschen gestaltet und finanziert wurde. Nur die Burschenkompanie rückte uniformiert und mit eigener Kapelle aus, um den Vogel in die Marke zu tragen. Sie sorgte auch für die Getränke und kassierte das Schießgeld. Die Bevölkerung nahm an diesem Waldfest regen Anteil und wanderte an diesen Sonntagen vor dem eigentlichen Freischießen in hellen Scharen zum Festplatz in die Marke.
Nach und nach lockerten sich diese strengen Bestimmungen. Schon in den 20er Jahren marschierte auch die Männerkompanie mit hinaus in die Marke, und manchmal wurde auch der Vogel an die Männer „verkauft“. Geschossen wurde in dieser Zeit mit den alten 71er Gewehren, Kaliber 12 mm, und Bleigeschossen. Lange Jahre hindurch pflegte Heinrich Rhode diese Gewehre, der auch in mühevoller Handarbeit alle drei Jahre den Vogel schnitzte.
Diese Vögel waren rechte Meisterwerke, aus weichen Holzarten zusammengesetzt und meist sehr zäh. Jede Feder wurde herausgeschnitzt. Der Form nach entsprachen sie dem österreichischen Wappenadler mit zwei Köpfen und drei Kronen. Mit Musik wurden sie am Vorabend abgeholt und in einem Lokal von den Damen der Burschen mit kleinen Blumenkränzen geschmückt. Das Vogelschmücken war jedes Mal ein schönes Fest.
Beim Schießen waren die Kronen, das Zepter und der Reichsapfel die begehrtesten Trophäen. Nur selten einmal wurde der ganze Vogel abgeschossen. Für diese fünf Hauptstücke waren Geldpreise ausgesetzt. Das Aufrichten der Vogelstange mit dem Adler war jedes Mal eine schwere Arbeit, denn die Stange war sehr lang. Geschossen wurde auf etwa 60 m, hoch in die Luft. Um die Sicherheit war man damals wenig besorgt, und es ist auch nie etwas passiert.
Nach dem letzten Kriege wurde das anders. Das Vogelschießen wurde erstmals 1953 als selbständiges Fest von der gesamten Schützengilde veranstaltet. Zu diesem ersten Vogelschießen stiftete die Stadt Korbach einen Adlerschild mit der Umschrift:
„Wer diesen Schild trägt unverdrossen, der hat den Vogel abgeschossen.“
Auf der Rückseite sind seitdem die Namen aller Schützen eingraviert, die jeweils das größte Stück abschossen und damit „Vogelkönige“ wurden.

Die Sicherheitsbestimmungen zwangen zum Bau eines Schießstandes. Dieser entstand am Sandberge. Dort wurde auf den Vogel geschossen und anschließend auf dem Hauerplatz gefeiert. Erst 1976 konnte mit Hilfe eines großen Kugelfanges der Vogel wieder in der Marke abgeschossen werden. Seit 1988 wurde das Vogelschießen dann in den Schießhagen verlegt, auch, um für die Korbacher Gäste präsenter zu sein.

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